Archiv der Kategorie: Texte

Peter Schieder. Ein großer Politiker, ein großer Mensch, ein Freund. Ein Vorbild.

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Heute ist Peter Schieder gestorben. Das macht mich sehr traurig. Peter war ein großer Politiker, er war ein großer Mensch, ein Freund, und er hat ein riesengroßes Loch hinterlassen. Für mich war Peter Schieder auch ein Vorbild. Jemand, von dem man sich abschauen konnte, wie ein Politiker sein soll. Jemand, bei dem man lernen konnte, wie man die Gesellschaft sehen und verändern kann. Peter wusste so viel, von der Welt und den Menschen. Und trotzdem war er nie jemand, der schnell und einfach urteilte. Er war, so dick aufgetragen das jetzt klingen mag, weise. Besonnen. Ganz und gar nicht polternd, polemisch, vereinfachend. Und doch war Peter bis zuletzt so jung im Kopf, viel jünger als so viele andere Menschen, auf die man in der Politik so trifft. Ihn beeindruckte kein „das war schon immer so“, seine Ideen und Analysen waren immer unvoreingenommen und haben oft überrascht. Er war Humanist, völlig fern davon, Menschen oder eine Menschengruppe vorzuverurteilen, und ohne Furcht vor Anderem, Neuem, nur voll Neugierde. Und Peter hatte so viel Humor. Seine Spitzen konnten einen mitten in Sitzungen aller Art jegliche Seriosität vergessen lassen und loskichern. Heute ist mir nicht zum Lachen zumute. Peter Schieder wird mir fehlen. Und immer ein Vorbild für mich bleiben.

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Ein flaues Gefühl….

Das Ergebnis der Nationalratswahlen am Sonntag ist nicht zum Freuen. Die (extrem) Rechte ist noch stärker geworden. Die ÖVP: trotz eines wirklich schlechten Wahlkampfes, einer teilweise clownesken Performance ihres Spitzenkandidaten und vor allem einer er- und abschreckenden Involviertheit in einen Haufen Korruptionsfälle erstaunlich wenig verloren. Und schon sind die schwarzen Granden wieder am Organisieren einer Mehrheit ohne die von ihnen verhassten „Sozialisten“. Spindelegger werde zuerst einmal mit allen Parteien reden, Rauch sagt, die Koalition sei abgestraft und was neues müsse her, und überhaupt schaue man erst einmal wie weit einem die anderen Parteien bei „Reformprojekten“ entgegen kämen.

Das alles führt bei mir zu einem fürchterlichen Déjà-Vu. Das hatten wir schon einmal, 1999. Mit dem Ergebnis, dass der Wahlverlierer Schüssel mit dem aus demokratiepolitsch völlig inakzeptablen Haider eine Koalition geschmiedet hat, die Folgen kennen wir. Einige davon werden noch immer von den Gerichten aufgearbeitet. Offensichtlich finden viele in der ÖVP, man sei mit der Arbeit von damals noch nicht fertig.

Über das, was aus der einst staatstragenden Partei ÖVP geworden ist, braucht es mehr Platz, in einem eigenen Blogeintrag (eigentlich bräuchte man dafür Bücher). Kurz: Es ist traurig. Die Schwarz-Blauen Jahre sind noch nicht ganz aufgearbeitet, und trotzdem trauert man ihnen nach, so wie es jetzt war könne es nicht bleiben, Reformvorhaben wurden blockiert und jetzt heißt es „Haltet den Dieb! Es muss sich was ändern!“. Und dann dieser Wahlkampf. Mit einer bisher ungekannten Qualität des Dirty Campaignings unter jeder Gürtellinie, auch dem bisher schon niedrigen Niveau eines ÖVP-Generalsekretärs, hat die ÖVP wieder einmal ein ordentliches Stück zur Diffamierung von Politik in dieser Republik beigetragen.

Bleibt ein flaues Gefühl der Wiederholung der Geschichte. Die vermutlich noch einige Wochen dauernde Schrecksekunde fülle ich erstmal mit zwei Dingen.

der Wahlkampfhymne der ÖVP von Christoph und Lollo…

 

…und – auch aus Respekt vor der scheidenden Bildungsministerin, Claudia Schmied, die mutig und konsequent an einer Weiterentwicklung des Bildungssystems gearbeitet hat, ein Text von mir darüber, wie Schule sein soll, erschienen in unserer aktuellen Kinderfreunde-Zeitung „Wir“ mit diesem Schwerpunkt . Als Leitlinie für die zukünftige Bildungspolitik. Ob der neue Bildungsminister oder die neue Bildungsministerin das auch so sehen wird?

Verändern wir die Schule!

Nicht nur kurz vor Wahlen gibt es in unserem Land kaum ein Politikfeld in dem mehr gestritten wird: Schulpolitik, das ist Härte. Zwar wächst der Kreis jener, die an wichtigen Reformen wie etwa der gemeinsamen Schule oder dem Ausbau von Ganztagsschulen arbeiten wollen – viele grundvernünftige Veränderungsvorschläge der Bildungsministerin ernten aber ein nach wie vor ein ziemlich undifferenziertes „Njet“ der Beton-Fraktion rund um die schwarze LehrerInnengewerkschaft und die Bundes-ÖVP. Im Grunde genommen ist das schon die Zusammenfassung der leidigen Geschichte, die erklärt, warum die Schule in Österreich nicht so ist, wie sein soll.

 

Aber wie soll Schule denn sein? Diese Frage versuchen wir Kinderfreunde zu beantworten. In unserer langen Historie immer mitdiskutiert, wenn es darum gegangen ist, es besser zu machen im Bildungssystem. Das Modell einer gemeinsamen Schule skizzierten die Kinderfreunde bereits in den 1940er Jahren, schon 1919 lebten wir in der „Schönbrunner Schule“ vor, wie eine fortschrittliche Bildung sein kann und organisierten die wohl bedeutendste Ausbildungsstätte für Pädagoginnen und Pädagogen der damaligen Zeit. Und bis heute gilt: Wir Kinderfreunde machen uns Gedanken darüber, wie Bildung in unserem Land funktionieren soll, und wir nutzen jede Gelegenheit, unseren Vorschlägen und Forderungen auch  Gehör zu verschaffen.

 

Schule wie sie sein soll

 

Denn Bildung ist der Schlüssel zur Welt: Sie ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Sie macht uns zu kritikfähigen, freien und mündigen Menschen. Sie ermöglicht uns den Zugang zu erfüllender Arbeit. Bildung ist die Basis für gesellschaftliche Teilhabe und damit für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.

 

Voraussetzung für eine solche demokratische Gesellschaft ist aber, dass jeder Mensch das gleiche Recht auf Bildung hat. Derzeit ist das nicht so – Bildung wird vererbt: Zugang und Chancen im Bildungssystem sind stark ungleich verteilt. Nicht Interesse, Engagement und Begabung bestimmen den Bildungsweg junger Menschen, sondern Bildungsgrad und sozialer Status der Eltern. Wer aus einem AkademikerInnenhaushalt kommt, hat einfach bessere Karten für seine eigene Schul- bzw. Bildungslaufbahn. Wir brauchen aber das genaue Gegenteil: Ein Bildungssystem, dass nicht Ungleichheit zementiert, sondern eines, dass Möglichkeiten und Chancen schafft – für alle.

 

Das ist nur in einem offenen Bildungssystem erfüllbar, das jedem Menschen die gleiche Möglichkeit für Bildung und Ausbildung eröffnet – vom Kindergarten bis zur Universität bzw. ein ganzes Leben lang. Ohne finanzielle Hürden, ohne Drop-Out-Tests – eine Schule für alle, in der persönliche Weiterentwicklung und Entfaltung im Zentrum stehen.

 

Wenn wir über Bildung nachdenken, dann steht nicht die Organisationsform des Bildungssystems, auch nicht die Lehrenden im Mittelpunkt, sondern das einzelne Kind – der lernende Mensch. Jede und Jeder muss lernen können, Fragen stellen, entdecken und forschen. Schulen und Kindergärten, Pädagoginnen und Pädagogen müssen dafür den bestmöglichen Rahmen schaffen können, auf unterschiedliche Voraussetzungen eingehen und individuelle Förderung ermöglichen.  Derzeit wird Schule aber oft falsch herum diskutiert: Wenn erst einmal die Fragen der Gehälter, Stundenpläne, der räumlichen Gegebenheiten und der Schulorganisation geklärt sind, dann werden sich die Kinder schon irgendwie einfügen. Das funktioniert sicher – sie müssen ja.

 

Nicht für die Schule lernen wir…

 

Und was soll man in der Schule lernen? Natürlich ist es wichtig, dass das viel davon auch im Leben gebraucht werden kann, dass wesentliche Grundkenntnisse vermittelt werden und eine Tür zum großen Haus einer guten Allgemeinbildung aufgestoßen wird. Aber der Wert von Wissen darf nicht mit Verwertbarkeit verwechselt werden. So muss Schule und Kindergarten neben Grundkompetenzen und kognitivem Wissen auch soziale Fertigkeiten, Empathie, solidarisches Verhalten, Toleranz und Verantwortung vermitteln und kritikfähig und stark machen. Bildung und Ausbildung müssen Zugänge zum Arbeitsmarkt schaffen, aber auch die Grundlage für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben sein. Sie müssen Wissen und Fähigkeiten schaffen, sich mit der Welt auseinanderzusetzen und immer weiter lernen zu wollen.

Alles neu?

Das Leben ist Veränderung. Und bei mir ist seit ein paar Wochen ganz schön viel anders – und dann wieder nicht.

Ende Juni habe ich geheiratet. Und wenn ich eine Ausnahme von meiner üblichen Praxis mache, Privates privat zu lassen, dann hat das den augenscheinlichen Grund: Ich heiße anders, weil ich den Namen meiner Frau und meiner beiden Töchter angenommen hab.

Und das bringt dann doch eine ganze Menge Neuerungen mit sich. Ausweise mussten neu ausgestellt, Zeichnungsberechtigungen auf Konten verändert, KandidatInnenlisten für die Nationalratswahl neu aufgestellt werden. Visitenkarten und Lebensläufe umgeschrieben, Email-Adressen eingerichtet und weitergeleitet werden. Eine besondere Herausforderung: Sich selber daran gewöhnen, am Telefon den richtigen Namen zu nennen.

Wie vieles Neue im Leben gingen letztlich dann auch diese Änderungen irgendwie schnell und weitgehend unspektakulär über die Bühne. Was ein bisschen länger gedauert hat, ist mit heute endlich gut: Es gibt das neue mich auch in der virtuellen Welt wieder in schlüssiger Form:

wutzlhofer.net wird czernohorszky.at.

Das ist in erster Linie meine „Visitenkarte im Web“, mit Links auf meine Präsenz auf Facebook, Twitter und auf diesen Blog. Die aufmerksame Leserin und der ebenso alerte Leser meines Weblogs wird gemerkt haben, dass ich in den letzten Monaten ausgesprochen faul war, was das Füllen desselben betrifft. Das hat verschiedene Gründe, meinen beruflichen Einsatz genauso wie die Lust, die ich am Twittern und Facebooken und damit an kürzeren Textformaten bekommen hab.

Gar nicht bloggen käme nicht in Frage – ich war immerhin vor ca. 10 Jahren der erste Wiener Gemeinderat, der einen Weblog hatte, und irgendwie bleibt man sich ja doch treu – Namen hin oder her… nachdem sich aber die Konsequenz beim Bloggen radikal verflüchtigt hat, ist der Webauftritt eben eine Vorstellung von mir, und nicht eine umfassende Sammlung meiner Vorstellungen. Die Zeichnung von mir stammt übrigens aus dem Bleistift von Franz Piffl. Ich hab da ganz starke 1980er-Jahre-Remineszenzen….

jue scribble

Mein Twitter-Kürzel bleibt übrigens @wutzlho. Weil ich ja auch der Gleiche bin!

Ich sage übrigens jetzt schon Danke für das Feedback, das ich auf diese ganzen Neuerungen bekommen habe – und freue mich auf weiteres!

Was ist Bildung?

Puh. Das war eine lange Blog-Abstinenz. Schauen wir mal, ob 2013 mehr Aktivität bringt. Vielleicht verlagert sich mein facebook- und twitter-Aktivismus ja wieder mehr auf den Blog. Das wäre schön, denn: hier ist eigentlich der Ort, wo nicht Zeichenanzahl und pointierte Überschrift den Artikel bestimmen sollen, sondern das, was mir gerade wichtig ist, in welcher epischer Länge auch immer.

Was mir besonders wichtig ist: in der Diskussion über Bildung Platz schaffen über Pädagogik, Kultur und Menschenbild, und etwas weniger über Organisationsform und Struktur zu reden. In diesem Zusammenhang habe ich einen kleinen Text zum Thema „Unser Bildungsbegriff“ verfasst. Here we go:

Unser Bildungsbegriff

Bildung ist der Schlüssel zur Welt: Sie ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Sie macht uns zu kritikfähigen, freien und mündigen Menschen. Sie ermöglicht uns den Zugang zu erfüllender Arbeit. Bildung ist die Basis für gesellschaftliche Teilhabe und damit für eine demokratische und solidarische Gesellschaft.

Voraussetzung für eine solche demokratische Gesellschaft ist aber, dass jeder Mensch das gleiche Recht auf Bildung hat – ohne Unterschiede und unabhängig von sozialer und regionaler Herkunft, Geschlecht, Alter und Religion. Derzeit ist das nicht so – Bildung wird vererbt: Zugang und Chancen im Bildungssystem sind stark ungleich verteilt. Nicht Interesse, Engagement und Begabung bestimmen den Bildungsweg junger Menschen, sondern Bildungsgrad und sozialer Status der Eltern. Wir brauchen aber das genaue Gegenteil: Ein Bildungssystem, dass nicht Ungleichheit zementiert, sondern eines, dass Möglichkeiten und Chancen schafft – für alle.

Das ist nur in einem offenen Bildungssystem erfüllbar, das jedem Menschen die gleiche Möglichkeit für Bildung und Ausbildung eröffnet – vom Kindergarten bis zur Universität bzw. ein ganzes Leben lang. Das bedeutet Zugänge frei von finanziellen und organisatorischen Hürden bzw. Selektion, ein gemeinsames Schulsystem mit wenig Zäsuren und individueller Förderung und eine Pädagogik, die die persönliche Weiterentwicklung und Entfaltung ins Zentrum stellt.

Im Mittelpunkt unseres Bildungsbegriffes steht nicht die Organisationsform des Bildungssystems, auch nicht die Lehrenden, sondern der lernende Mensch. Jede und jeder muss lernen können, fragen stellen, entdecken und forschen. Bildungseinrichtungen und PädagogInnen müssen dafür den bestmöglichen Rahmen schaffen können, auf unterschiedliche Voraussetzungen eingehen und individuelle Förderung ermöglichen.

Bildungspolitik hat der Wissensvermittlung und den Möglichkeiten ihrer Umsetzung in der Praxis Rechnung zu tragen. Sie muss Theorie und Praxis vereinbaren und nicht teilen. Der Wert von Wissen darf nicht mit Verwertbarkeit verwechselt werden. So muss elementare Bildung und Schule neben Grundkompetenzen und kognitivem Wissen auch soziale Fertigkeiten, Empathie, solidarisches Verhalten, Toleranz und Verantwortung vermitteln und kritikfähig und stark machen. Bildung und Ausbildung müssen Zugänge zum Arbeitsmarkt schaffen, aber auch die Grundlage für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben sein bzw. das Wissen und Fähigkeiten schaffen, sich mit der Welt auseinanderzusetzen und immer weiter lernen zu wollen.

Wissensvermittlung darf nicht auf eine Lebensphase, eine Bevölkerungsgruppe oder ein eng umschriebenes Berufsbild beschränkt sein, genausowenig wie auf momentane wirtschaftliche Verwertbarkeit. Bildung muss die theoretische Basis und Mündigkeit bieten, um Sinnzusammenhänge zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. Sie muss aber auch dazu ermächtigen, diese Fähigkeiten umzusetzen und gesellschaftlichem Nutzen zu unterziehen.

Bildung ist Spiegelbild der Gesellschaft und zugleich ihr Veränderungspotential. Die öffentliche Hand trägt deshalb die Verantwortung für Zugang, Ausbau und Ausgestaltung der Bildungsinstitutionen. Die Zukunft unserer Gesellschaft hängt von dieser Verantwortung ab.

Nur gute Eltern sind brave Eltern

Das ist die Horrorvision der ÖVP: „Wir zahlen nur noch für Kinder, und die Eltern sollen ihre Kinder so früh wie möglich den ganzen Tag in einer staatlichen Einrichtung abgeben, sollen sie in eine Ganztagsschule schicken und auf diese Weise nicht mehr Eltern sein,…“
Diesen schrecklichen Traum schildert ÖVP-Chef Spindelegger in einem „programmatischen“ Kommentar in der Kronen-Zeitung.
Eltern, deren Kinder in Kindergärten oder Ganztagsschulen betreut werden, sind also „Rabeneltern“ im schwarzen Familienbild der Hausmütterchen. Na servas, da spricht der letzte Rest einer einst großen „Volks-„Partei, und der besteht wohl aus Bauern (ja: ohne Bäuerinnen) aus Dörfern unter der 5.000er-Grenze. Ich hab dazu eine Aussendung gemacht. Vielleicht etwas direkt, aber was gesagt gehört, muss gesagt werden…:

Kinderfreunde: VP-Spindlegger hetzt gegen berufstätige Eltern
Utl: Die Österreichischen Kinderfreunde können die Äußerungen des ÖVP-Obmanns nicht nachvollziehen.
„Was Michael Spindlegger in seinem Krone-Gastkommentar schreibt, zeugt entweder von Ahnungslosigkeit oder gezielter Stimmungsmache gegen Eltern“, so Jürgen Wutzlhofer, Bundesgeschäftsführer der Österreichischen Kinderfreunde. Obwohl er sich familienfreundlich gebe und „ideologische Fallseile“ im Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung vermute, seien seine Aussagen vor allem ein Angriff auf berufstätige Eltern: „Was ist denn der Kern von Spindleggers Aussagen? Wenn er behauptet, dass Menschen ‚nicht mehr Eltern seien‘, wenn sie Kinderbetreuung in Anspruch nehmen, dann spricht er damit zigtausenden Eltern ihre Elternschaft ab“, wundert sich Wutzlhofer.
Die ÖVP solle endlich ihr antiquiertes Familien- und vor allem Frauenbild einmotten und sich auf eine sachliche Diskussion über moderne Familienpolitik einlassen: „Die ÖVP und ihr Obmann propagieren das Rollenbild eines Hausmütterchens, in dem sie berufstätige Männer und Frauen als Rabeneltern darstellen, die ihre Kinder in Betreuungseinrichtungen abgeben“, so Wutzlhofer. Die Volkspartei verkenne dabei völlig die Tatsache, dass es sich sowohl bei Kindergärten als auch beim Modell der Gesamtschule um bildungspolitische Maßnahmen handelt. „Die Welt der ÖVP ist zu einfach: Kindergärten und Ganztagesbetreuung sind für sie Kinderaufbewahrungsstätten und der Ort, an dem schlechte Eltern ihre Kinder parken. In der Realität sind es jedoch Lernräume und wichtige Bausteine für ein sozial gerechtes Bildungssystem und für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die ÖVP möge endlich aufwachen und sich in der familienpolitischen Diskussion auf die Seite der Familien und Kinder stellen statt mit Standpunkten aus dem 19. Jahrhundert um sich zu werfen“, so Wutzlhofer abschließend.

Später aufstehen!

Weil wir für eine Schule sind, die sich an die Bedürfnisse der Kinder anpasst und nicht umgekehrt. Meine PA von heute:

Kinderfreunde: Späterer Unterrichts beginn aus Kindersicht wünschenswert

Utl: Die Kinderfreunde unterstützen die Forderungen des Bildungsexperten Andreas Salcher.

„Ein späterer Beginn des tatsächlichen Unterrichts in der Schule würde die Lerneffekte bei vielen Schülern erhöhen“, erklärt Jürgen Wutzlhofer, Bundesgeschäftsführer der Österreichischen Kinderfreunde. Es gebe genügend Studien, die solche Effekte belegen. Aus Sicht der Kinderfreunde sei es notwendig, das Schulsystem auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen abzustimmen und auf die bestmöglichen Lernerfolge abzuzielen.

„Es ist jedoch natürlich notwendig, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mitzubedenken, späterer Unterrichtsbeginn darf nicht bedeuten, dass die Kinder später in die Schule gehen“, so Wutzlhofer weiter. Hier müsse ein Modell mit lockeren Einstiegsphasen angedacht werden, damit alle Kinder auf ein gleiches Aufmerksamkeitslevel gebracht werden können. „Auch Berufstätige haben im Beruf oft eine morgendliche Einstiegsphase und flexible Modelle wie Gleitzeit werden immer weiter verbreitet. Doch bei unseren Kindern setzen wir weiterhin auf ein starres System, das von vielen Schülerinnen und Schülern schon in den ersten Stunden Höchstleistungen abrufen will“, zeigt Wutzlhofer Verständnis für die SchülerInnen.

Es sei jedoch auch eine Herausforderung für die Wirtschaft: „Um den Start in den Tag für Kinder und Jugendliche besser zu gestalten und ihnen das Lernen zu erleichtern, müssen auch die Arbeitszeitmodelle für Eltern flexibler werden. Das bedeutet mehr Toleranz für späteren Arbeitsbeginn oder Gleitzeitmodelle für Eltern, wo das möglich ist“, fordert Wutzlhofer.

Aus Sicht der Kinderfreunde ginge es sehr in die Richtung des verschränkten Ganztagsunterrichts: „Wir müssen das Schule endlich als Ort der Förderung begreifen, an dem wir die größtmöglichen Lernerfolge dadurch erzielen, dass wir uns flexibel auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder einstellen und sie dort abholen, wo sie sind. Das aktuelle System ist dafür zu starr und braucht dringend eine groß angelegte Reform im Interesse der Kinder und Jugendlichen und Chancengleichheit für alle Schülerinnen und Schüler“, so Wutzlhofer abschließend.

Ad ACTA: Offener Brief an die Bundesregierung

Sehr verehrte Mitglieder der Bundesregierung!

Die unterzeichnenden Abgeordneten zu den gesetzgebenden Körperschaften und EntscheidungsträgerInnen in der SPÖ möchten auf diesem Weg ihre Sorge über die Auswirkungen des Anti-Counterfeiting and Trade Agreement (ACTA) zum Ausdruck bringen und auf die von der sozialdemokratischen Fraktion im Europäischen Parlament schon seit langer Zeit aufgezeigten Gefahren, die dieses Abkommen für das zugangsoffene Internet und das Prinzip der Netzneutralität bringt, hinweisen.

Wir sind in großer Sorge um die Zukunft der Demokratie, des freien Meinungsaustausches und des Rechtes auf Wissen, denn mit der Ratifizierung von ACTA wird nicht nur ein Vertrag unterzeichnet, der zukünftig die proaktive Überwachung des Datenverkehrs auf Internetplattformen und gegebenenfalls zivil- und strafrechtliche Folgen ermöglicht. Die weitere Umsetzung würde außerdem einen Prozess legitimieren, der unter Geheimhaltung und Ausschluss der Öffentlichkeit und der Mitglieder der einzelnen demokratisch gewählten legislativen Organe stattgefunden hat.

Mit der Fortsetzung des Ratifizierungsprozesses und der nachfolgenden Verankerung in den verschiedenen nationalen Gesetzgebungen würde der vorliegende Text in seiner kaum zu greifbaren, schwammigen Formulierung das Ende des Internets, wie wir es heute kennen bedeuten. Damit stellt das Abkommen eine Gefahr für den freien Meinungsaustausch und Wissenserwerb dar. Es würde folglich die Freiheit „des größten und bedeutsamsten Netzwerk der menschlichen Geschichte“ beschneiden*.

ACTA ist mit keinem modernen Verständnis von Demokratie vereinbar und daher abzulehnen. Wir fordern daher den sofortigen Stopp des Ratifizierungsprozesses in Österreich, eine Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof und eine Neuaufnahme der Verhandlungen, unter Garantie von Transparenz und demokratischer Meinungsbildung.

Sonja Ablinger, Abgeordnete zum Nationalrat
Peko Baxant, Abgeordneter zum Wiener Landtag
Reinhold Einwallner, Landesgeschäftsführer der SPÖ Vorarlberg
Daniel Fellner, Landesgeschäftsführer der SPÖ Kärnten
Elisabeth Hakel, Abgeordnete zum Nationalrat
Karin Kadenbach, Abgeordnete zum Europäischen Parlament
Peter Kaiser, Landeshauptmann-Stellvertreter in Kärnten und SPÖ-Landesparteivorsitzender
Eleonora Kleibel, AKS-Bundesvorsitzende
Philip Kucher, Gemeinderat in Klagenfurt
Jörg Leichtfried, Abgeordneter zum Europäischen Parlament
Max Lercher, Abgeordneter zum Landtag Steiermark
Siegi Lindenmayr, Abgeordneter zum Wiener Landtag
Marko Miloradovic, Kandidat für die Wahlen zum Innsbrucker Gemeinderat
Wolfgang Moitzi, SJ-Verbandsvorsitzender und Mitglied des SPÖ-Bundesparteipräsidiums
Mirijam Müller, VSSTÖ-Bundesvorsitzende
Petra Müllner, Abgeordnete zum Oberösterreichischen Landtag
Barbara Novak, Abgeordnete zum Wiener Landtag
Christoph Peschek, Abgeordneter zum Wiener Landtag
Evelyn Regner, Abgeordnete zum Europäischen Parlament
Sophia Reisecker, Kandidatin für die Wahlen zum Innsbrucker Gemeinderat
Michael Ritsch, SPÖ-Landesparteivorsitzender und Klubobmann im Vorarlberger Landtag
Martina Schröck, Vorsitzende der SPÖ Graz und Mitglied der Grazer Stadtregierung
Johannes Schwarz, Abgeordneter zum Landtag Steiermark
Sybille Straubinger, Abgeordnete zum Wiener Landtag
Josef Weidenholzer, Abgeordneter zum Europäischen Parlament
Tanja Wehsely, Abgeordnete zum Wiener Landtag
Jürgen Wutzlhofer, Abgeordneter zum Wiener Landtag

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* Stellungnahme der slowenischen Botschafter Helena Drnovsek Zorko, die ihre Unterschrift unter dem Abkommen öffentlich bereut.

Hier kannst du gegen ACTA unterschreiben: https://secure.avaaz.org/de/eu_save_the_internet_spread/?culAQcb

ACTA auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Anti-Counterfeiting_Trade_Agreement